Geschichte Sek 1

Wer die Gegenwart richtig verstehen und die Zukunft zweckmäßig gestalten will, muss die Vergangenheit hinreichend kennen und deuten können. Angesichts der zunehmend komplexen und unübersichtlichen Welt und der zahlreichen, sich verstärkenden Krisenerscheinungen gewinnt die intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit strategische Bedeutung für die Bewältigung der Probleme von Gegenwart und Zukunft.

Wie Experimente geeignet sind, Erkenntnisfortschritte und Problemlösungen in Naturwissenschaft und Technik hervorzubringen, bietet die Analyse der Vergangenheit die Chance, Erkenntnisse über die Entwicklungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, über ihre Ursachen und über Gestaltungsspielräume zu gewinnen.

Wie ist die Weltwirtschaftskrise seit 1929 entstanden, wie sind die Menschen ihren Herausforderungen begegnet? Welche Problemlösungen haben sie verfolgt, welche davon haben sich als erfolgreich erwiesen, welche sind gescheitert? Wie verlief die Bankenkrise des Jahres 1931? Mit welchem Maßnahmen gelang es der Politik, das Finanzwesen wieder zu stabilisieren?

Welche Ursachen hatten die Erfolge der rechtsradikalen Parteien in Deutschland und anderen europäischen Ländern nach dem Ersten Weltkrieg? Warum waren sie insbesondere in Deutschland so erfolgreich? Welche Gegenmaßnahmen wurden ergriffen, warum blieben sie letztendlich erfolglos?

Wie reagierten die europäischen Länder auf die gewaltigen Bevölkerungsverschiebungen und Fluchtbewegungen während des Zweiten Weltkriegs und nach seinem Ende? Wie gelang es innerhalb weniger Jahrzehnte, Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen in ihre neue Heimat zu integrieren?

Wie wichtig die Beschäftigung mit solchen Fragen, die im Zentrum eines zeitgemäßen Geschichtsunterrichts stehen, für die Orientierung in der Gegenwart und die Bewältigung der Zukunft ist, ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene nicht zu übersehen.

Einzig das Fach Geschichte bietet die Möglichkeit, sich diesen und weiteren Fragen und der Suche nach Antworten darauf mit ausreichender Intensität und der erforderlichen historischen Tiefendimension zuzuwenden. Nur im Geschichtsunterricht finden Schülerinnen und Schüler die Chance, auf der Grundlage breiter historischer Bezüge und wohlüberlegter Vergleiche, unter Beachtung der Andersartigkeit vergangener Epochen und fremder Kulturkreise, die Erfahrungen der Vergangenheit zu nutzen, um an der Gestaltung der Gegenwart und der Zukunft kompetent mitzuwirken.

Gleichzeitig lernen Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht Perspektiven, politische Standorte, die Glaubwürdigkeit und die Aussagekraft von Texten zu beurteilen.  Die Aufdeckung von Legenden, Lügen und Propaganda gehört zum Kerngeschäft historischen Lernens. Dadurch macht Geschichtsunterricht kritisch gegenüber einfachen Antworten, „fake news“ und gezielten Desinformationskampagnen.

Und Geschichtsunterricht befähigt die Schülerinnen und Schüler zu eigenständigen, gut begründeten und verantwortungsbewussten (historischen) Urteilen. Auf diese Weise leistet der Geschichtsunterricht einen wesentlichen Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsauftrag des Gymnasiums, die Schülerinnen und Schüler zur eigenständigen Gestaltung ihres Lebens und zur verantwortungsbewussten Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft zu befähigen.

 

Die Unterrichtsinhalte im Überblick

Unterrichtsvorhaben I: Frühe Kulturen und erste Hochkulturen

Was ist eigentlich Geschichte? Wie finden wir etwas über Geschichte heraus?

 

Inhaltsfeld 1: Frühe Kulturen und erste Hochkulturen

  • Die Entstehung und Ausbreitung des Menschen
  • Sammlerinnen und Jäger – die Altsteinzeit
  • Bauern und Viehzüchter – die Jungsteinzeit
  • Hochkultur am Beispiel Ägyptens

 

Inhaltsfeld 2: Antike Lebenswelten: Griechische Poleis und Imperium Romanum

  • Lebenswelten und Formen politischer Beteiligung in griechischen Poleis
  • Herrschaft, Gesellschaft und Alltag im Imperium Romanum

 

Inhaltsfeld 3a: Lebenswelten im Mittelalter

  • Herrschaft im Fränkischen Reich und im Heiligen Römischen Reich
  • Lebensformen in der Ständegesellschaft: Land, Burg, Kloster

Inhaltsfeld 3b: Lebenswelten im Mittelalter

  • Städte und ihre Bewohnerinnen und Bewohner
  • Begegnungen von Menschen unterschiedlicher Religionen: Christen, Juden und Muslime
  • transkontinentale Handelsbeziehungen zwischen Europa, Asien und Afrika

 

Inhaltsfeld 4: Frühe Neuzeit: Neue Welten, neue Horizonte

  • Renaissance, Humanismus, Reformation
  • Gewalterfahrungen in der Frühen Neuzeit: Hexenverfolgungen und Dreißigjähriger Krieg
  • Europäer und Nicht- Europäer – Entdeckungen und Eroberungen
  • Vernetzung und Verlagerung globaler Handelswege

 

Inhaltsfeld 5: Das „lange“ 19. Jahrhundert- politischer und wirtschaftlicher Wandel in Europa

  • Französische Revolution und Wiener Kongress
  • Revolution von 1848/49 und deutsche Reichsgründung
  • Industrialisierung und Arbeitswelten

Unterrichtsvorhaben I: Imperialismus und Erster Weltkrieg

Die Europäer verteilen die Welt. Deutschlands Außenpolitik: Der Griff nach der Weltmacht. Europa im Juli 1914 – wie ein „Weltbrand“ entsteht. 1918 – „ein Ende mit Schrecken“..

 

Unterrichtsvorhaben II: Neue weltpolitische Koordinaten 

Russland: Revolution 1917 und Stalinismus: Das Ende der Zarenherrschaft. Die bolschewistische Oktoberrevolution. Die Herrschaft Stalin. USA– Aufstieg zur Weltmacht: Der Aufstieg der USA zur Weltmacht 1865-1945: Eine neue Großmacht entsteht. Über die Grenzen hinaus: Der Imperialismus der USA. Der Aufstieg der USA zur Supermacht.

 

Unterrichtsvorhaben III: Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Revolution in Deutschland eine neuer Anfang? Vertrag von Versailles – Friede mit fatalen Folgen. Zerstörung und Abschaffung der Demokratie. Die Ideologie des Nationalsozialismus. Von Diffamierung, Ausgrenzung, Pogrom zum Völkermord
an den Juden. Aggressive NS–Außenpolitik – Der Weg in den Krieg. Wende und Ende des Zweiten Weltkrieges. Widerstand gegen den Nationalsozialismus –Nicht alle Deutschen machten mit.

 

Unterrichtsvorhaben IV: Neuordnung der Welt und Situation Deutschlands

Aus Verbündeten werden Gegner. Gleichgewicht des Schreckens. Der kalte Krieg geht zu Ende. Der „Wind of Change“ – und was daraus wurde. Deutschland nach 1945: Leben und überleben nach dem Krieg. Die doppelte Staatsgründung. Eine Grenze teilt Deutschland. Soziale Marktwirtschaft im Westen und sozialistische Planwirtschaft im Osten. Die friedliche Revolution in der DDR

 

Da im Pflichtunterricht des Faches Geschichte in der Sekundarstufe I keine Klassenarbeiten und Lernstandserhebungen vorgesehen sind, erfolgt die Leistungsbewertung ausschließlich im Beurteilungsbereich „Sonstige Leistungen im Unterricht“. Dabei bezieht sich die Leistungsbewertung insgesamt auf die im Zusammenhang mit dem Unterricht erworbenen Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenzen.

Die Leistungsbewertung beruht auf folgenden Grundsätzen:

  1. Die Leistungsbewertung muss für Schülerinnen und Schüler gerecht und transparent sein.
  2. Die Leistungsbewertung hat alle von den Schülerinnen und Schüler im Unterricht erbrachten Leistungen einzubeziehen: mündliche, ggf. schriftliche und praktische.
  3. Die Schülerinnen und Schüler müssen im Unterricht hinreichend Gelegenheit erhalten, die geforderten Leistungen zu erbringen und die im Lehrplan ausgewiesenen Kompetenzen zu erwerben.
  4. Bewertet werden Umfang und Qualität der Leistungen sowie die Art der Darstellung.
  5. Die Leistungsbewertung muss neben Reproduktion auch komplexere Leistungen berücksichtigen, z.B. die Einordnung neuer Kenntnisse in bekannte Zusammenhänge, die Betrachtung eines bekannten Sachverhalts unter einer neuen Fragestellung, die Anwendung erlernter Arbeitsweisen und Methoden, die Begründung von Urteilen, die Formulierung von Problemstellungen, die Zusammenfassung von Unterrichtsergebnissen.

Bewertung mündlicher Leistungen

Bei der Bewertung der Unterrichtsbeiträge werden die Qualität und die Kontinuität der Beiträge der Schülerinnen und Schüler erfasst. Dabei sind der Gebrauch der Fachsprache und der sichere Umgang mit Grundbegriffen zu berücksichtigen. Die Leistungsbewertung bezieht sich sowohl auf unaufgeforderte Beiträge zum Unterrichtsgespräch als auch auf gezielt abgerufene Beiträge der Schülerinnen und Schüler.

Zusammenhängende längere Beiträge von Schülerinnen und Schülern, die selbständig vorbereitet sind (Referate), können im Rahmen der Leistungsbewertung Berücksichtigung finden. Punktuelle Leistungen können jedoch die kontinuierliche Mitarbeit im Unterricht nicht ersetzen.

Das Ausbleiben spontaner Mitarbeit im Unterricht rechtfertigt nicht eine nicht ausreichende Bewertung. Das Leistungsvermögen muss vielmehr in diesen Fällen durch mehrfache, gezielt an den betreffenden Schüler/die betreffende Schülerin gerichtete Aufgabenstellungen abgeklärt werden.

Schriftliche Formen der Mitarbeit

Schriftliche Übungen können zur Leistungsbewertung herangezogen werden.

Die Bearbeitungszeit schriftlicher Übungen soll in der Regel 15 Minuten nicht überschreiten, bei möglichen Erläuterungen zu den Aufgaben schriftlicher Übungen kann dieses Zeitvolumen hinzugerechnet werden. Schriftliche Übungen dürfen sich nur auf begrenzte Stoffbereiche im unmittelbaren Zusammenhang mit dem jeweiligen Unterricht beziehen. Schriftliche Übungen sind nur in begrenzter Zahl zulässig. Die Beurteilung von Leistungen soll mit der Diagnose des erreichten Lernstandes und Hinweisen zum individuellen Lernfortschritt verknüpft sein.

Fachkonferenz Geschichte, Stand Oktober 2019

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