Taganrog Projekt 2009 Individuelle Förderung Teil II

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0 in FoeIndividuelle Förderung, so lautete das Thema der Begegnung zwischen jungen Lüdenscheidern und Taganrogern im Sommer 2009. Es ging vornehmlich darum, eigene Lernpotentiale durch Förderprogramme von Hoch-/Schule und Wirtschaft auszuschöpfen.

Vorbereitung auf den Gegenbesuch:

2 in FöAusgangspunkt der Projektarbeit war das Forschen nach eigenen Fertigkeiten und Stärken. Bereits bei der Erstbegegnung in Lüdenscheid wurde den Jugendlichen deutlich, dass die Zukunft nicht nur im Aneignen von Kenntnissen und Wissensbeständen besteht, sondern dass es auch auf Schlüsselqualifikationen wie Teamgeist, Engagement und soziale Kompetenzen ankommt, um auf Anforderungen einer modernen Gesellschaft reagieren zu können. Auf den Vorbereitungstreffen wurden nach Prüfung durch Checklisten die eigenen Kompetenzen, wie „Kommunikation, PC-Kenntnisse, Organisationstalent und außergewöhnliche Fähigkeiten“ auf den Prüfstand gestellt, um mit diesen Ressourcen das Wagnis „Russland – wir kommen!“ anzugehen.
Das Potential, das die Lüdenscheider Jugendlichen zu Tage förderten, war groß. Viele Schülerinnen und Schüler des BGL sind selbst in Jugendorganisationen aktiv und arbeiten sehr selbstständig mit dem Nachwuchs. Der Umgang mit modernen Medien, der es ermöglichte die Eindrücke der Reise digital festzuhalten, war ebenso ein Baustein des Projekts wie das Sich-Einlassen-Können auf völlig unerwartete Situationen. So mussten die Schülerinnen und Schüler bereits vom ersten Tag an mit der russischen Lebensweise in den Familien ohne fremde Hilfe zurechtkommen. Ein weiteres Anliegen war die Begegnung mit Menschen, die ohne gute Startchancen ihren Platz in der Gesellschaft finden müssen. Hierzu wurde das Taganroger Heim für Sozialwaisen Nr. 3 aufgesucht. Eingefordert von den deutschen Jugendlichen wurde eine sportliche Begegnung mit ihren russischen Partnern. Hierzu gehörte auch der gemeinsam einstudierte Modetanz „Cha-Cha-Slide“, der als nichtmaterielles Geschenk von den jungen Gästen aus Lüdenscheid mitgebracht wurde.
2 akt_taganrog14aAls Exportschlager erwiesen sich später die zahlreichen Sprungfotos, die die vielen gemeinsamen Unternehmungen stets begleiteten.

1 akt_taganrog13p_01Dass das Konzept auch die Juroren der Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch mit Sitz in Hamburg beeindruckte, wurde durch die bewilligten Fördermittel in Höhe von 2800,00 € deutlich.

 

 

 

 

 

Durchführung der einzelnen Projektmaßnahmen

Besuch des Waisenheims Nr. 3

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Besonders beeindruckend waren die Besuche in den Musikschulen und des Taganroger Heims für Sozialwaisen Nr. 3. Nachdem die Leiterin des Heims die deutschen Gäste begrüßt hatte, konnten sich die Lüdenscheider ein Bild von den Gruppenaufenthaltsräumen machen. Auffällig war die offene Kontaktaufnahme der jungen Russen, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen. Untergebracht wurden die acht- bis fünfzehnjährigen Bewohner in Zwei- oder Vierbettzimmern, deren Zusammengehörigkeitsgefühl durch ein lebendiges Haustier gestärkt wird. Hier muss die Gruppe Verantwortung, Fürsorge und Pflege für das Meerschweinchen oder den Goldfisch übernehmen.5 in Foe Mit Freude nahmen die Schüler des Bergstadt-Gymnasiums das eigens ausgerichtete Konzert auf. Russische und amerikanische Lieder wurden mit Folkloreelementen gemischt, aber auch klassische Einlagen füllten das Programm. Bemerkenswert ist, wie viele Möglichkeiten die jungen Heimbewohner haben, ihre Talente auf dem Gebiet des Sports, der Literatur, der Musik und des Entertainments zu entfalten. Erstaunt waren die Lüdenscheider über die vielen Preisträger, die das Wohnheim bereits zu verzeichnen hat. „Eine solch hohe Bedeutung von Prämien- und Preistträger-Kultur ist uns doch eher fremd, so Katharina O. aus der Jahrgangsstufe 12.
Für die physische Förderung der Heimbewohner hatten sich die Lüdenscheider Jugendlichen etwas Besonderes ausgedacht; sie übergaben an jeden der vier Gruppenältesten einen Spielball, der auch sofort ausprobiert wurde. Beim anschließenden Teetrinken und Kuchenessen, – das Gebäck hatten die Waisenkinder für die deutschen Gäste in der eigenen Küche zubereitet -, wurde sich über Zukunftsperspektiven und mögliche Berufswahlen ausgetauscht.
„Schade, dass das Waisenheim in den Abschlussprüfungen befand, sonst hätte ein spontan von den BGL-Schülern vorgeschlagenes Fußballspiel die frischen Kontakte noch mehr festigen können“, bedauerte Junias M.

Besuch des Taganroger Instituts für Verwaltung und Ökonomie

6.1 in FoeEinen Ausschnitt außerhalb der Lehre an der Hochschule bekamen die deutschen Gäste am Montag mit. Den Lüdenscheider Gästen wurde die Premiere eines Theaterstücks präsentiert, mit dem sich die Hochschule für den Wettbewerb „150 Jahre Tschechow“ bewarb. Hier konnten mehrere russische Studenten und Teilnehmer des Austauschs ihre schauspielerischen Leistungen unter Beweis stellen. Das Stück war ein Zusammenschnitt aus mehreren Kurzgeschichten, das für die Bühne durch die Leiterin des Studentenclubs Irina Pawlowna umgeschrieben wurde. Wie viel Arbeit und Engagement hier investiert wurde, konnten diejenigen Schülerinnen und Schüler des Bergstadt-Gymnasiums nachvollziehen, die an ihrer Stammschule mehrfach selbst an Theateraufführungen mitgewirkt haben.

Sportliche Begegnung

7.1 in FoeDa das Wetter an diesem Tag wenig vorhersehbar war, wurde der Marsch an eine Sportstätte gewählt, die vom Sportinstitut der Hochschule während des Semesters benutzt wird. So wurde aus dem anvisierten Lapta-Spiel am Strand kurzer Hand ein Fußballspiel auf dem Futsal-Court. Während die deutschen Jungen sofort ein Team zusammenstellte, war nur Stass auf Seiten der russischen Projektteilnehmer aktiv mit von der Partie. Den Großteil der Gegner stellten die russischen Hobby-Kicker des Instituts. Zunächst gingen gemischte Mannschaften an den Start, später wurde der Wunsch geäußert ein Freundschaftsspiel zwischen russischen und deutschen Jugendlichen auszutragen. Die deutsche Mannschaft erhielt zwar den Freundschaftspokal, der Sieg mit drei Toren Unterschied gebührte allerdings den Gastgebern. Leider fehlte es an weiblichen Teilnehmern auf russischer Seite, so dass die weiblichen deutschen Fußballspieler nicht zu ihrem erhofften Einsatz kamen. Die einzelnen Spielsituationen wurden anschließend bei einer gemeinsamen kühlen Limo erörtert.

Kennenlernen des Studentenclubs

6 in FoeEine gemeinsame Übung namens „Masterclass“ wurde für die Projektteilnehmer am letzten Tag kurz vor dem Abschiedsabend im Studentenclub anberaumt. Es gíng darum, die eigene Körpersprache mit Gesten und Mimiken durch kleine Übungen zu trainieren. Die dazu nötigen Fertigkeiten sind nicht nur auf der Bühne wichtig, um die Zuschauer während eines Theaterstücks in den Bann zu ziehen, sondern konnten auch benutzt werden, um den Vortrag besser zur Darstellung bringen. Diesen hatten die Beteiligten gemeinsam vor der Gruppe noch zu leisten.

Olympiastützpunkt für Gewichtheber

8 in FoeGroßes Glück hatten die Bergstädter beim Besuch der Gewichthebertrainingsstätte für zukünftige russische Olympiasieger, denn der Trainer der Nationalmannschaft David Riegert selbst empfing die deutschen und russischen Gäste, um einige seiner Hoffnungsträger vorzustellen und über das Trainingsprogramm von Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zu berichten. Interessant war, dass es sogar eine persönliche Verbindung zwischen den beiden Russlanddeutschen Artur Ratz und David Riegert gab, deren Verwandte einst zusammen vor dem einzigen dorfeigenen Fernsehgerät saßen.

Firmenbesuch Lemax

10. in foeEinen Eindruck von den besonderen Erwartungen an die Mitarbeiter des neuen russischen Mittelstandes konnten die Schülerinnen und Schüler des Bergstadt-Gymnasiums auf dem expandierenden Firmengelände Lemax gewinnen. Im Gespräch mit unbegreiflich begeisterten Mitarbeiten kam zur Sprache, welche Ansprüche die Firmenleitung an die Mitarbeiter stellt, die sich mit der Produktion und dem Vertrieb von Ziegeln und Gasbrennern über Taganrog hinaus auf dem feien Markt etabliert haben. Gewöhnungsbedürftig waren die Lobpreisungen auf die Firmenregentschaft deshalb, weil aufgezählt wurde, durch welche Corporate-Identity-Maßnahmen für ein gutes Teamgefühl gesorgt werde. Dass russische Arbeitnehmer auch noch nach dem Dienst in der Firma verweilen, um gemeinsam mit Firmenangehörigen aus anderen Abteilungen an künstlerischen Workshops wie Theater-AGs oder Chorproben teilzunehmen, war für die deutsche Seite erst einmal fremd.

Das Kulturprogramm

Yachting auf dem Asowschen Meer

11 in FoeEinige der Schülerinnen und Schüler des BGL wurden am ersten Tag in der Südrussischen Stadt zu einem Trip auf das Asowsche Meer eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen wurde eine Yacht gechartert. Für russische Verhältnisse war die Badesaison noch nicht eröffnet, denn die Wassertemperatur lag bei erst noch 19 °. (Bild 10)

Städte-Tour Rostow mit Kutterfahrt auf dem Don

13 in FoeGemeinsam wurde in die Metropole Rostow aufgebrochen, um auf dem „stillen Don“ eine kleine Schifffahrt auf einem der Ausflugsschiffe zu starten. Bei diesem Anlass gab es die Gelegenheit an Board des Schiffes die russischen Gäste auf das Mitbringsel „Cha-Cha-Slide vorzubereiten“. Überraschender Weise wechselten die jungen Russen sofort von der Zuschauer in die Rolle der Aktiven und tanzten sofort mit. – Eine Mini-Disco am hellichten Tag um ca. 13.00 und die Mannschaft bebte -, so etwas kennt man in Deutschland eher nicht. Im Anschluss an die Tanzeinlage wurde der Wunsch laut, einen gemeinsamen Mini-Tanzkurs zu veranstalten.
15 in FoeWas es in der Metropole Rostow zu entdecken gibt, erschloss sich den Projektteilnehmern aus zahlreichen Unternehmungen, während sich eine Gruppe die älteste russisch-orthodoxe Kirche anschaute, wählten die anderen den gemeinsamen Spaziergang durch den Park oder das Foto-Shooting mit Philipps Kamera, oder nahmen das Warenangebot in der Hauptstadt des Rostower Gebiets in Augenschein.
16 in FoeAuf der Rückfahrt legten deutsche und russische Jugendliche an der Gedenkstätte Sambek Blumen nieder, um in einer Schweigeminute der Opfer des zweiten Weltkriegs zu gedenken. Aufmerksam gemacht wurden die deutschen Gäste auf eine einbetonierte Metallschatulle, deren Inhalt im Jahre 2030 verkündet werden soll, wenn es praktisch keine Überlebenden der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Russen mehr gibt. Der Gedanke daran, dass der heutige Status quo, d. h. der Zustand des Friedens von jedem einzelnen immer wieder selbst aktiv hergestellt werden muss, ließ bei einigen Teilnehmern den Wunsch entstehen, in 20 Jahren zur Verlesung an diesen Ort zurückzukehren. (Bild 13)

Stadtrundfahrt in einer Stretch-Limousine

17 in FoeEine Stadtrundfahrt der besonderen Art organisierten die russischen Freunde für die Deutschen in Form einer Sightseeing-Tour in einer weißen Stretch-Limosine. Die Schülerinnen und Schüler des Bergstadt-Gymnasiums genossen das gemütliche Beisammensein und machten an zahlreichen Sehenswürdigkeiten Taganrogs halt.

Landeskunde am letzten Tag

18 in FoeEine Besonderheit des russischen Schullebens war zufällig am Vorabend der Abreise zu erleben. In der ganzen Stadt trafen sich die Schulabgänger der 10. Klassen mit farbenprächtigen Bändern und zogen in kleinen Grüppchen durch das Zentrum. Das letzte Schulläuten – poslednij zvonok – so lautete das Motto für die Absolventen, was der Stadt bis spät in die Abendstunden eine besondere Stimmung verlieh.
19 in FoeAm Nachmittag wurde die Arbeit am Projekt ausgewertet, die russischen und die deutschen Projektteilnehmer setzten sich zusammen, um die Fotos, die während des Aufenthalts gemacht wurden, zu gemeinsamen Vorträgen zusammenzutragen. Diese wurden überwiegend in der Muttersprache gehalten, teilweise trauten sich einzelne Schüler und Studenten ihre Ergebnisse auch in der Fremdsprache zu präsentieren.

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Mit gemeinsamen Liedern und dem gewünschten Tanz-Performance endete der offizielle Teil der sieben gemeinsamen Tage in Taganrog. (Bild 17). Die Auswertung der Fragebögen gab bis auf wenige Ausnahmen ein überwiegend positives Bild ab. Gastfreundschaft und echte Freundschaft, – wie dies auf Russisch klingt und wahrzunehmen ist -, war von deutschen Schülerinnen und Schüler mit allen Sinnen erfahrbar.
21 in FoeAls mögliche Themen für die kommende Projektbegegnung wurden ins Auge gefasst:

– den Frieden durch Verständigung sichern mit Rückblick auf die deutsch-russische Geschichte

– Tschechow – die Bedeutung des russischen Autors und Dramaturg in der Gegenwart

– Stereotype in Russland und Deutschland, Rollenbilder

Fotoausstellung von Philipp Schmeinta

22 in FoeAls Produkt des Projekts zeigt Philipp Schmeinta stellvertretend für die Gruppe auf dem Sommerfest eine Ausstellung mit Fotos aus Taganrog. 30 ausgewählte Fotos in Großformat werden der Elternschaft und den Mitschülern gezeigt. Ausgehend von den Kriterien „Stimmung erfasst den Betrachter“ und „Lust auf Russland“ wird das Publikum das schönste Bild ermitteln. Dafür erhält der geloste Betrachter des Bildes mit der größten Zustimmung einen Preis in Form einer russischen Matrjoschka.

B. Mai
Lüdenscheid, 30.06.09

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Fragebogenauswertung Mai 2009

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